Über Gemeinde

 12500 Gläubige in sechs Bezirken

Die Polnische Gemeinde Wiesbaden umfasst die Bezirke Wiesbaden, Rheingau, Untertaunus, Limburg, Westerwald und Rhein-Lahn. Bislang orientierten sich die Gläubigen nach Frankfurt, von wo aus weiterhin die Katholiken polnischer Muttersprache aus den Bezirken Frankfurt, Hoch- und Main-Taunus, Lahn-Dill-Eder und Wetzlar betreut werden.
Bereits seit 2007 sind die Gläubigen aus der jetzt neuen Gemeinde in der Kirche Heilige Familie in der Wiesbadener Lessingstraße beheimatet. Zusätzlich finden jede Woche am Samstag, 18 Uhr, Gottesdienste in St. Walburga, Oestrich-Winkel, und jeden zweiten Sonntag im Monat, 16 Uhr, in St. Marien, Limburg, statt. Insgesamt betreut das Seelsorge-Team um Pfarrer Adam Prorok 12500 Katholiken polnischer Muttersprache. Im vergangenen Jahr wurden in der Gemeinde 26 Kinder getauft, es gab 21 Erstkommunionen und 21 Firmungen. Zu der Gemeinde gehört unter anderem auch eine Polnische Schule, in der polnische Sprache und Landeskunde gelehrt wird.

                         Daniela Tratschitt ("Der Sonntag" - Ausgabe 5 vom 30.01.2011)


Alte Heimat in neuer Heimat

Neue Polnische Gemeinde in Wiesbaden errichtet – Pontifikalamt mit Bischof Tebartz-van Elst

Die „Mutter Polens“ hat auch in der hessischen Landeshauptstadt ihr Zuhause gefunden. Anfang dieses Jahres wurde die Polnische Gemeinde Wiesbaden offiziell errichtet, die ein Bild der Schwarzen Madonna mitgebracht hat.

„Obwohl wir schon seit 2007 in der Kirche zur Heiligen Familie beheimatet sind“, erklärt Pfarrer Adam Prorok. Am Sonntag, 30. Januar, findet, sozusagen zur feierlichen Eröffnung, ein Pontifikalamt mit Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in der neuen Gemeinde statt. Deshalb hat die Schwarze Madonna von Tschenstochau jetzt auch ihren Platz in Wiesbaden. „Es war uns wichtig, dieses Bild in unsere Kirche zu stellen. Jeder Pole, auch wenn er nicht viel mit der katholischen Kirche am Hut hat, verehrt es“, freut sich Pfarrsekretärin Maria Rygus-Pacholski. „Für uns ist sie wie eine zweite Mutter. Für uns bedeutet diese Ikone Heimat.“ „Für uns bedeutet diese Ikone Heimat.“ Maria Rygus-Pacholski. Und dafür, dass die Menschen polnischer Muttersprache aus den Gebieten Wiesbaden, Rheingau, Untertaunus, Limburg, Westerwald und Rhein-Lahn wieder etwas mehr alte in ihrer manchmal neuen Heimat finden, ist man in der Gemeinde Heilige Familie zuständig. Hier findet viermal in der Woche ein Gottesdienst auf Polnisch statt, es gibt muttersprachliche Gesangsbücher, Ansprache und Traditionen. „Ich habe mich auch in meiner deutschen Gemeinde wohlgefühlt. Aber seitdem ich hierherkomme, weiß ich, dass mir etwas gefehlt hat“, erinnert sich Rygus-Pacholski. „Nicht nur, dass ich hier die Möglichkeit habe, Polnisch zu sprechen. Auch das Glaubensleben ist anders. Zum Beispiel begehen wir einmal im Monat eine Eucharistiefeier mit der Aussetzung des Allerheiligsten, gestalten Exerzitien oder bieten während der Fastenzeit jeden Freitag eine Kreuzwegandacht. Das habe ich lange gesucht.“

Viele andere Menschen ebenso: Am Wochenende kommen bis zu 700 Gläubige zum Gottesdienst, über 100 Kinder und Jugendliche lernen nach den Gottesdiensten in der Polnischen Schule die Sprache ihrer Vorväter; es gibt einen polnischen Gemeindebrief, man fährt gemeinsam nach Israel, nach Neu Delhi ans Grab der Mutter Teresa, nach Fatima oder Lourdes. „Zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. im Mai wollen wir sogar ein ganzes Flugzeug für unsere Gemeindemitglieder chartern“, erläuter Prorok stolz. „Das wird etwas ganz Besonderes.“

Allerdings muss sich noch mehr herumsprechen, dass die insgesamt 12500 polnischen Gemeindemitglieder jetzt in Wiesbaden beheimatet sind und nicht mehr in Frankfurt. „Ich muss meine neue Pfarrei noch kennenlernen“, erklärt der 42-Jährige Priester. „Ich war zwar schon in Limburg, wo jetzt jeden 2. Sonntag im Monat in St. Marien ein Gottesdienst stattfindet, und halte jede Woche einen Gottesdienst in St. Walburga in Oestrich-Winkel, aber es sind so viele Menschen dazugekommen. Ich werde oft herumfahren müssen.“ Genügend Energie scheint der aus Strzelin stammende Prorok zu haben. Und vielleicht sorgt auch die Schwarze Madonna für noch mehr Besucher in ihrem neuen Zuhause.

                        Daniela Tratschitt ("Der Sonntag" - Ausgabe 5 vom 30.01.2011)